Grauzone - Spuren jüdischen Lebens in Horb

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Kurzfilm des Kernfaches Bildende Kunst Kl. 12, Frau Dette in Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Harald Weiß, Sommer 2009

Vor den Sommerferien hatten die Schülerinnen und Schüler des Kernfachs Bildende Kunst Gelegenheit, mit einem echten Filmprofi zu arbeiten: Der Tübinger Filmemacher Harald Weiß führte wieder in bewährter Zusammenarbeit mit der Kunsterzieherin Christiane Dette einen Video-Workshop durch.

In der Organisationsform wurde in Abhängigkeit von Thematik und Produktionsstufe des Films zwischen regulären Unterrichtsstunden und Kompaktphasen gewechselt. Insbesondere während der Dreharbeiten und während des Schnitts war es unmöglich, die reguläre Unterrichtsform und –zeit einzuhalten. Die vom Medium und vom Filmthema ausgehende zwingende Loslösung von den standardisierten Unterrichtsformen und –zeiten setzte bei den Schülerinnen und Schülern Energien und Motivationen frei, die im Regelunterricht oft verborgen bleiben.

Die Suche nach einem Thema für einen Film nahm im Vergleich zu früheren Projekten nur wenig Zeit in Anspruch, da von extern ein mögliches Filmthema für ein Schulprojekt heran getragen wurde. Es handelte sich um eine lokalgeschichtliche Thematik, die bislang weder filmisch noch in anderer Form erforscht und bearbeitet war: Die Befragung von Zeitzeugen zur jüdischen Vergangenheit Horbs. Nachdem zunächst verschiedene Filmthemen aus der Schülergruppe vorgeschlagen und in für und wider diskutiert wurden, entschied sich die Gruppe mehrheitlich für die Bearbeitung des Themas ‚Jüdisches Leben in Horb’. Die Gruppe veränderte das Thema dahin gehend, dass aus der rein historischen Betrachtungsweise eine politische und aktuelle gemacht werden sollte, in der es nicht nur um das Gestern, sondern insbesondere um das Heute gehen sollte, um das vorhandene und nicht-vorhandene Wissen um das vergangene jüdische Leben in Horb und um politisch rechtsgerichtete und antisemitische Tendenzen in der Stadt.

Der Kurs wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die eine Gruppe die Zeitzeugen befragte, die andere Gruppe sich auf die Suche nach rechtem Gedankengut in der Stadt Horb und unter der Bevölkerung begab. Während der Kontakt zu den Zeitzeugen über die beiden Ortshistoriker Barbara Staudacher und Heinz Högerle hergestellt werden konnte, musste die Gruppe, die sich mit rechtem Gedankengut beschäftigte, Informanten und Interviewpartner selbst recherchieren.

Wie engagiert die Schülergruppe bei den Interviews mit den Zeitzeugen und den Gesprächen und Befragungen zum Thema ‚Rechtes Gedankengut’ waren, verdeutlichen die sieben Stunden gedrehtes Filmmaterial.

Die große Herausforderung im Anschluss an die Dreharbeiten bestand neben dem zur Verfügung stehenden, sehr engen Zeitfenster darin, das immense Rohmaterial auf einen etwa zwanzig minütigen Film zu kürzen und die beiden Stränge – Zeitzeugen und rechtes Gedankengut – im Schnitt zusammen zu bringen. Nachdem in der Recherche- und in der Drehphase die Schüler quasi alle Aufgaben selbständig erledigt hatten, von der Kontaktaufnahme zu den Interviewpartnern über die Kamera bis zur Interviewführung, musste für die schwierige Synthese der beiden Themenstränge die Hilfeleistung des Filmprofis zunehmen. Dennoch waren es auch im Schnitt fast immer die Entscheidungen der Schülerinnen und Schüler, die den Ausschlag für diese oder jene Schnittvariante gaben.

Der Film, der als Ergebnis des Projekts entstand, ist in seiner Qualität und in seinem Niveau kein Schülerfilm mehr, sondern kann sich mit professionellen Produktionen messen. Der Erfolg des Projekts zeigt sich nicht nur am seh- und hörbaren Produkt, sondern auch im Prozess der gemeinschaftlichen und selbst verantworteten Arbeit, die sich in Medium, Thematik, Unterrichtsform und Bezugspersonen fundamental vom Schulalltag unterscheidet. Die Qualität des Produkts und der Erfolg im Prozess spricht für die Ausdehnung und Wiederholung solcher Projekte. Eine entsprechend Zeitaufwand und Qualität angemessene Finanzierung in Zukunft wäre wünschenswert.

Am Donnerstag, den 5.11.2009 feierte der Kurzfilm des Kernfachs Bildende Kunst von Frau Dette im vollbesetzten Musiksaal des MGGs Premiere. Um die 80 Zuschauer folgten gebannt der Filmvorführung, an die sich eine angeregte Diskussion anschloss - dem Film- Team war es wohl gelungen, mit ihrem Kurzfilm über dieses anspruchsvolle Thema Denkanstöße zu geben!

Text: Harald Weiß & Christiane Dette

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Interview Herr vom Ende
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Klassenphoto Frau Bareis
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